Trockenwerden - Welches Alter ist 'normal'?

Das Alter, in dem ein Kind trocken wird, ist von der individuellen Reifung abhängig und durch erzieherische Maßnahmen kaum beeinflussbar. Im Allgemeinen setzt die Blasenkontrolle etwa im 3.-4. Lebensjahr ein, bei Mädchen meist früher als bei Buben.

Vor Ende des 3. Lebensjahres ist eine Sauberkeitserziehung nicht sinnvoll, es sei denn die Initiative geht vom Kind aus. Wie auch in vielen anderen Bereichen der Entwicklung, kann beim Toilettengang ein Nachahmungsverhalten zur Motivation beitragen. Wenn das Kind mit einem Erwachsenen oder älteren Geschwisterkind auf die Toilette mitgehen darf und dort den Ablauf sieht, wird es möglicherweise früher Interesse daran zeigen, selbst sein Geschäft auf dem WC zu verrichten.

Die Entscheidung, ob Sie Ihrem Kind einen Topf oder einen Kindertoilettensitz anbieten, bleibt Ihnen überlassen. Die Verkleinerung der Sitzfläche ist in jedem Fall sinnvoll, damit das Kind bequem Platz nehmen kann. Wenn ein Kind lange Zeit keine Eigeninitiative zeigt, empfiehlt es sich bei den Großeltern über das eigene Trockenwerden (der Eltern) nachzufragen. Oftmals findet sich eine familiäre Häufung in der späten Reifung der Blasenkontrolle.

Bei der Beobachtung von Kindern hat sich gezeigt, dass ein frühes Toilettentraining nicht dazu führt, dass Kinder den Harndrang früher wahrnehmen - und somit früher trocken werden. Es ist sinnvoll, die Eigeninitiative des Kindes abzuwarten und dann aufzugreifen.
Diese setzt meist im Alter zwischen 1 ½ und 3 Jahren ein. Es sollte keinesfalls mit Zwang versucht werden, das Kind zur Trockenheit zu erziehen. Dies führt zu Unsicherheit und Verlust des Selbstwertgefühls. Aus demselben Grund sollte man im Falle eines "Missgeschicks" das Kind nicht bloß stellen, sondern einfach ohne großes Aufsehen das Gewand wechseln. Dementsprechend sollte darauf geachtet werden, dass immer - auch unterwegs - ausreichend Wechselgewand dabei ist. Ein wesentlicher Aspekt der Sauberkeitserziehung ist Geduld. Verzichten Sie auf Schimpfen und vertrauen Sie darauf, dass es auch im Interesse des Kindes ist, trocken zu werden.
Häufig braucht das tagsüber bereits trockene Kind noch nachts eine Windel. Sobald sie feststellen, dass die Windel morgens trocken ist, kann auch diese entfallen.

Bei einem Kind, das älter als 4 Jahre und tagsüber nicht trocken ist, sollte eine Abklärung bei der Kinderärztin/beim Kinderarzt erfolgen. Dies kann z.B. im Rahmen der Mutter-Kind-Pass Untersuchung mit 4 Jahren geschehen. Das Kind wird körperlich untersucht und der Harn wird getestet, um eine Erkrankung auszuschließen. Eine Ultraschall-Untersuchung, die für das Kind nicht unangenehm ist, kann angeschlossen werden um eventuelle Auffälligkeiten der Harnwege zu erkennen. Auch das Trinkverhalten des Kindes ist ein wichtiger Aspekt, so dass es in manchen Fällen sinnvoll ist ein Trink-/Ausscheidungsprotokoll über 3 Tage und 2 Nächte zu führen. Die weitere Vorgehensweise wird individuell besprochen.

Wenn ein Kind zusätzliche Verhaltens- oder Entwicklungsauffälligkeiten wie spätes Gehen oder Sprechen, Ängste, Zwänge, eine Schwäche beim Sprechen, etc. zeigt, sollte es ebenfalls bei einer Kinderärztin/einem Kinderarzt vorstellig werden. Gegebenenfalls kann eine Ergotherapie zur Entwicklung beitragen.

Wenn ein Kind bereits ½ Jahr oder länger trocken war und danach wieder beginnt einzunässen, spricht man von sekundärem Einnässen. In diesem Fall sollte man psychische Ursachen bedenken. Häufig befindet sich das Kind oft in einer Stresssituation. Ein beratendes Gespräch mit der Kinderärztin kann Ihnen Hilfestellungen vermitteln.

 
 

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